Gemeinsam zum Ziel

Im Bereich der Informationstechnologie (IT) gilt Kenia als einer der führenden Staaten Afrikas. Dennoch werden viele Projekte an Firmen aus den USA oder Indien vergeben, da es den kenianischen Softwareentwicklern an den nötigen Erfahrungen fehlt, Großaufträge erfolgreich umzusetzen.

Das möchte Andy Haxby, Geschäftsführer des niederländischen IT-Unternehmens Competa IT B.V., ändern. Er möchte kenianischen Unternehmen helfen, mit größeren Projekten neue Kunden zu gewinnen – und so mehr Aufträge an lokale Softwareentwickler vergeben, anstatt die Arbeit kontinuierlich ins Ausland auszulagern.

Competa möchte in den kenianischen Markt einsteigen, doch dazu benötigt das Unternehmen qualifizierte Softwareentwickler vor Ort, die in den modernen Methoden und Standards der IT-Branche geschult sind.

Die Suche nach geeigneten Fachkräften erwies sich jedoch als schwierig: Die kenianischen Softwareentwickler können programmieren, doch es mangelt vor allem an Praxiserfahrung im Projektmanagement. Auf dieser Grundlage lassen sich komplexe Aufträge nur mühsam umsetzen. Wollte Haxby auf dem kenianischen Markt erfolgreich sein, musste er handeln.

Haxby erkundigte sich nach möglichen Partnern und Förderprogrammen und stellte fest, dass für ihn nur eines in Frage kam: Er entschloss sich für eine Entwicklungspartnerschaft im Rahmen des develoPPP.de – Programmes, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)möglich macht.

Ziel der Partnerschaft war eine praxisorientierte Ausbildung kenianischer Softwareentwickler, die ihnen einen Einstieg in den internationalen Markt ermöglichen sollte. Dazu kooperierte Competa mit den kenianischen IT-Unternehmen BTI Millman Ltd und Dew CIS Solutions.

Um die Softwareentwickler praxisorientiert zu schulen, entwickelte Competa zusammen das Trainingsprogramm CodePamoja. Per Video-Chat tauschen sich Softwareentwickler der lokalen Partner mit ihresgleichen in den Niederlanden aus und arbeiten an gemeinsamen Projekten.

Ein internationaler Trainingsansatz, bei dem die Niederländer zu Mentoren für die Kenianer werden. „Vorher habe ich alleine gearbeitet; das hat mich viel Zeit gekostet,“ erzählt einer der Teilnehmer, „Hier lerne ich, im Team zu arbeiten und meine Aufgaben zu teilen.“ Der Name des Trainingsprogramms soll die Zusammenarbeit der Softwareentwickler an den beiden Standorten widerspiegeln. CodePamoja – das heißt gemeinsam programmieren.

In den Trainings lernen die Auszubildenden moderne Projektmanagement-Methoden zur Agile-Softwareentwicklung, wie Scrum. Die sind in der IT-Branche weit verbreitet. Da sich aber nur wenige Kunden mit Softwareentwicklung auskennen, sind ihre Anforderungen an das vollendete Produkt oft ungenau.

Scrum verzichtet deshalb auf strenge Pläne und Fristen. Stattdessen gibt es regelmäßige Rücksprachen – ob im Team oder mit dem Kunden – damit Anpassungen jederzeit übernommen werden können. „Wir beginnen jeden Tag mit einem Stand-Up, in dem wir uns über unsere Fortschritte austauschen,“ erklärt Kim Massaro, technische Leiterin bei Competa. „So können Probleme behoben werden, noch bevor es zu Verzögerungen im Zeitplan kommt.“

Die Methoden helfen den Entwicklern vor allem dabei, ihre Projekte zu strukturieren und komplexe Prozesse zu verschlanken. „Früher habe ich für ein Projekt bis zu sechs Monate gebraucht. Mit Agile schaffe ich es in weniger als einem Monat,“ erklärt eine Absolventin der Trainings. „Jetzt kann ich große Projekte in kleine Stücke zerlegen. Dadurch kann ich meinen Fortschritt besser überwachen und Kundenwünsche schneller und präziser berücksichtigen.“

Die Begeisterung für die neugewonnenen Methoden fließt auch in die Folgebeschäftigungen der Absolventen ein: „Durch die Trainings haben die kenianischen Softwareentwickler Erfahrungen gewonnen, die Ihnen neue Berufschancen eröffnen,“ erzählt Massaro. „Diese Chancen möchten sie jetzt mit anderen teilen.“

Um die Methoden des agilen Projektmanagements nachhaltig zu verankern, wurden 17 Trainingsabsolventen zu Scrum Mastern ausgebildet, die ihr Wissen nun an andere Entwickler weitergeben.

Doch statt sich mit der Ausbildung der Softwareentwickler zufriedenzugeben, ging Competa noch einen Schritt weiter und führte Fair Trade-Standards für ihre Arbeit in Kenia ein. Eine Pionierleistung im IT-Sektor, denn wie sich herausstellte, gab es bislang keine Zertifizierung für Software oder IT-Dienstleistungen.

Competa hat daher kurzerhand die Initiative ergriffen und selbst eine Non-Profit-Organisation gegründet, um die Prinzipien des fairen Handels in der Softwareentwicklung zu etablieren. Mit Erfolg: Bereits vier weitere Unternehmen haben sich der Initiative angeschlossen und wollen sich für Fair Trade-Praktiken im IT-Sektor einsetzen.

80 der insgesamt 90 Auszubildenden arbeiten nach der Beendigung der Trainings als selbstständige Programmierer oder haben eine Anschlussbeschäftigung bei lokalen IT-Unternehmen gefunden. Sechs der Absolventen haben ihre eigenen Start-ups im IT-Sektor gegründet.

So auch Dickson Mutuma. Er ist sich sicher: Ohne das Wissen, das er durch das Projekt erlangt hat, wäre das nicht möglich gewesen: „Während meiner Zeit bei CodePamoja habe ich vieles gelernt. Aber erst seitdem ich meine eigenen Projekte umsetze, habe ich gemerkt, welche Auswirkungen die Trainings auf meine eigene Firma und mein Leben haben.“

Dank der Trainings konnten sich die kenianischen Partner BTI Millman Ltd. und Dew CIS Solutions gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen und einen Großauftrag der Barclays Bank zur Einrichtung eines mobilen Kundenmanagementsystems in sieben afrikanischen Staaten gewinnen.

Eileen Ndegwa arbeitet in der Unternehmensentwicklung bei Barclays und zieht als Auftraggeberin eine positive Bilanz: „Durch Scrum konnten unsere Anforderungen immer zeitnah integriert werden. So konnten wir die App kontinuierlich den Bedarfen unserer Verkaufs-Teams anpassen. Unsere Berater können jetzt auch in ländlichen Gebieten Kunden gewinnen.“

Für Haxby erwies sich die Wahl des develoPPP.de-Programms als wahrer Glücksgriff: „Die Größe des develoPPP.de-Programms ist genau richtig, um eine Idee zu testen, ohne dass sich ein mittelständisches Unternehmen wie unseres dabei zu einer übermäßig großen Investition verpflichtet.“

Das Projekt hatte auch ungeahnte Vorteile. Neben den neugewonnenen Kunden begeisterte Competa auch eine Reihe von Nachwuchs-Talenten für ihr Unternehmen in den Niederlanden. „CodePamoja hat zur Verbesserung unserer Reputation und dem Aufbau unserer Marke beigetragen,“ erklärt Haxby, „Zuvor hatten wir Schwierigkeiten, genügend Nachwuchs zu finden. Aber dank des develoPPP.de-Projekts interessieren sich jetzt mehr Absolventen für uns. Allein im letzten Monat haben wir 30 Praktikanten und Auszubildende eingestellt, die in internationalen Teams arbeiten wollen.“

Durch die Entwicklungspartnerschaft konnte Haxby qualifizierte Fachkräfte gewinnen und sich erfolgreich auf dem kenianischen Markt etablieren. Darüber hinaus plant Competa weitere Investitionen in Afrika: „Wir haben aus den Erfahrungen mit CodePamoja gelernt und glauben, dass wir beim nächsten Mal noch bessere Wege finden können, das Programm zu betreiben,“ so Haxby.

Was in Kenia begonnen hat, möchte Haxby jetzt mithilfe des regionalen Netzwerks der GIZ auf andere ostafrikanische Länder ausweiten – auch diesmal mit Unterstützung durch develoPPP.de.

Zahlen | Daten | Fakten

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IT-Fachkräfte wurden ausgebildet.
0
Scrum Master wurden ausgebildet.
0
Absolventen des Programms fanden eine Anschlussbeschäftigung.

Wettbewerbsfähigkeit

BTI Millmann und Dew CIS Solutions konnten ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Neue Märkte

Competa plant, das Projekt auf andere afrikanische Staaten auszuweiten.

Fair-Trade-Standards

Weitere Unternehmen haben sich zusammengeschlossen und setzen sich für Fair-Trade-Praktiken im IT-Sektor ein.