Breites Bündnis gegen E-Waste

Nachhaltigkeit ist für den Konzern Microsoft ein wichtiges Unterfangen. Im Rahmen des develoPPP.de-Programms im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verringert der Elektronikhersteller zusammen mit der GIZ den Elektroschrott in Indien.

So werden die unsachgemäße Entsorgung alter Monitore, Elektrogeräte und Handys gebremst, eine Recycling-Kette entwickelt und die Achtsamkeit der Bevölkerung geschärft. Pranshu Singhal, bei Microsoft India für das Thema Nachhaltigkeit zuständig, betont: „Wir erwarten von der Partnerschaft, dass sie Reichweite und Wirkung unserer Nachhaltigkeitskampagnen steigert.“

Einen Partner in Indien fand Microsoft in der Self-Employed Women's Association of India (SEWA). Die SEWA ist ein Zusammenschluss von in Armut lebenden Frauen, die selbständig arbeiten, um ihre Situation zu verbessern. Sie ist eine der größten Selbsthilfe-Organisationen weltweit.

Varsha Mehta koordiniert das develoPPP.de-Projekt für die SEWA. Sie ist die Ansprechpartnerin für die Frauen, die im Rahmen des Projektes Elektroschrott sammeln. Sie sagt: „Elektroschrott war für uns ein neues Thema. Zu Beginn waren wir nicht sicher, ob wir das alles schaffen, aber es hat geklappt. Und es wurde eine wertvolle Erfahrung.“

Will man Elektroschott bekämpfen, ist die Herausforderung groß. Eine Studie der Vereinten Nationen schätzt, dass im Jahr 2018 weltweit 49,8 Millionen Tonnen Technikmüll anfallen werden - Tendenz steigend.

Microsoft und indische Organisationen wollen daher den Recycling-Prozess für Elektronikschrott verbessern und die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam machen. Denn einerseits enthält der Schrott wertvolle Materialien – andererseits aber auch Giftstoffe wie zum Beispiel Schwermetalle. Um das Projekt möglichst breit aufzustellen, wurden drei Zielgruppen ausgewählt: Frauen, Kinder und Studenten.

Um einen funktionierenden Recyclingkreislauf aufzubauen, müssen defekte Handys und anderer Müll fachgerecht gesammelt werden. Für diesen Zweck werden Schrottsammlerinnen in Workshops geschult - in Ahmedabad durch Trainerinnen der SEWA, in Kalkutta durch DISHA-Mitglieder.

Dort lernen sie, wie gefährlich Müll sein kann – und finden darüber hinaus eine Arbeit: „Unser Ziel war es, dass die Frauen als Schrottsammlerinnen arbeiten können“, erklärt Varsha Mehta von der SEWA. So wurden in den beiden Pilotstädten Kalkutta und Ahmedabad 50 Schrottsammlerinnen ausgebildet.

„Das Training hat uns viel gebracht“, sagt Laxmi Manubhai Parman. Sie arbeitet als Sammlerin in Ahmedabad und ist Mitglied der SEWA. „Ich weiß nun, dass ich die Elektroteile nicht auseinandernehmen soll, sondern sie sicher als Ganzes in die richtigen Kreisläufe zur Verwertung gebe“ schildert sie.

In einem nächsten Schritt übernimmt dann das Unternehmen TES-AMM Recyclers India das fachgerechte Recycling der ausgemusterten Mobiltelefone. Die Verbindung der selbstständigen Sammlerinnen mit den Abnehmern sichert das Einkommen der Frauen.

„Mit der GIZ zusammenzuarbeiten, brachte uns einige Vorteile. Dazu gehörten die Kontakte zur lokalen Regierung, über die das Büro im Land verfügt, und die internationale Erfahrung“, betont Microsoft-Vertreter Pranshu Singhal.

Aus dieser Erfahrung heraus entstand eine zusätzliche Komponente des Projekts: Da es nicht nur darum geht, den Müll zu sammeln, sondern auch darum, das Verhalten der Verbraucher zu ändern, arbeitet Microsoft mit Studenten verschiedener Fachrichtungen zusammen.

Eine davon ist Kanisha Tripathi. Sie studiert Umweltingenieurwesen und hat sich mit ihren Ideen an dieser Komponente des Projektes beteiligt. Die Studenten suchten nach kreativen Wegen, um die Bevölkerung für das Thema Recycling zu gewinnen. „In Indien ist es immer effektiv, kreative Kunstformen zu nutzen, denn die Inder mögen sie sehr – zum Beispiel das Tanzen“, erklärt Kanisha die Idee, die entstand.

Mit spontanen Tanzaktionen und Flashmobs machen die jungen Aktivisten auf das Problem aufmerksam. Bekleidet mit den Aktions-T-Shirts sind Kanisha Tripathi und ihr Team die Hingucker in einem Einkaufszentrum.

„Wir laufen umher und rufen, um die Aufmerksamkeit der Händler zu gewinnen“, erklärt ihr Kommilitone. Aber vielmehr noch suchen die Studenten den Dialog mit den Händlern und verteilen Informationsmaterial. Als Folge der Aktion haben Ladenbesitzer begonnen, ihren Schrott den Sammlerinnen der SEWA zu geben.

Ladeninhaber Anil Kumar Balwani ist einer von vielen, den die Aktion überzeugt hat. Bisher kaufte er defekte Geräte an und verkaufte sie weiter, ohne darüber nachzudenken, was damit passieren würde. Heute gibt er seinen Elektroschrott den Sammlerinnen der SEWA. „Die Frauen haben mir erklärt, dass der Weiterverkauf womöglich einen negativen Effekt auf die Umwelt hat”, sagt Balwani. “Man kann nicht immer nur nach dem handeln, was Geld bringt. So sammele ich nun die Geräte.”

Ein dritter Weg, den Microsoft und SEWA beschreiten, hat das Ziel, Schüler für den schädlichen Elektroschrott zu sensibilisieren. Unter dem Motto „Create to inspire“ verteilte das Umweltbildungszentrum CEE Lehrmaterialien an 200 Schulen und Hochschulen.

Anita Shah ist Lehrerin an der Mahatma Ghandi International School in Ahmedabad. Auch sie hat das Thema mit ihren Schülern erarbeitet und ist sich sicher: „Das Wissen und Bewusstsein für die Verwertung elektronischer Geräte werden die Kinder an Freunde, Familien, Nachbarn und die ganze Gesellschaft weitergeben.“

Die Schülerin Tamanna J. Patel nahm am Projekt teil. Die Schüler sammelten selbst Elektroschrott, den sie der SEWA übergaben.

Die 13-Jährige erklärt: „Wir haben viel über die verschiedenen Schrottsorten gelernt – und wie man sie recycelt.“ Ihr Wissen teilt sie – durch selbst gestaltete Plakate und in Gesprächen. Dass die Aktion Wirkung zeigt, bestätigt Tamanna: „Auch meine Familie trennt jetzt Müll.“

Microsoft India hat mit dem Elektroschrott-Projekt viel erreicht. In Projekten wie diesem kann man den Erfolg nicht nur in Zahlen messen, sondern in einem geänderten Verhalten beobachten.

Pranshu Singhal von Microsoft India erklärt: „Für unser Unternehmen ist klar: Auch nach Abschluss des develoPPP.de-Projektes werden wir an dem Programm weiterarbeiten, das wir gemeinsam ins Leben gerufen haben.“

Zahlen | Daten | Fakten

0
Jugendliche wurden zu Verantwortlichen für das Thema E-waste ausgebildet.
0
nachhaltige Beziehungen wurden zu Reparaturläden aufgebaut.

Ressourcen

Die Müllsammlerinnen wurden geschult und geben die Idee einer nachhaltigen Ressourcennutzung weiter.

Zusammenarbeit

Die Frauengewerkschaft Self-Employed Women's Association of India (SEWA) sensibilisiert Ladenbesitzer und die Öffentlichkeit für das Thema.

Einkommen

Das Unternehmen TES-AMM Recyclers India übernimmt das fachgerechte Recycling und sichert das Einkommen der Frauen.