Möbelindustrie mit Zukunft

Vietnams Holzindustrie wächst, doch die Möbelindustrie kann mit starken Exporteuren wie China oder Taiwan nicht mithalten. Es fehlt qualifiziertes Personal, um internationalen Qualitäts- und Designstandards gerecht zu werden.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH sorgt Häfele, Pionier im Bereich Möbel- und Baubeschläge und Entwickler des wohl größten Produktkataloges der Branche, für neuen Schwung in der vietnamesischen Möbelproduktion: Mithilfe des Programms develoPPP.de des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) brachten GIZ und Häfele ein Trainingsprogramm für kleine und mittelständische Holzmöbelfabrikanten in Vietnam auf den Weg.

Die Firma Häfele stellt hochwertige Möbelbeschläge wie Scharniere, Griffe und Schlösser her. Bei der Gründung der vietnamesischen Tochtergesellschaft Häfele Vina JSC entdeckten die Unternehmer ungenutzte Potenziale im dortigen Möbelmarkt: „Es gibt eigentlich schon eine große Möbelindustrie in Vietnam“, so Dominik Fruth, Geschäftsführer von Häfele Vietnam, „aber die ist hauptsächlich auf das saisonale Outdoor-Geschäft spezialisiert: Ein halbes Jahr hat man viel Arbeit und den Rest Leerlauf.“

So entstand die Idee, die Vietnamesen an die Herstellung von Indoor-Möbeln heranzuführen. Deren Outdoor-Segment würde so langfristig durch eine neue Inneneinrichtungssparte ergänzt; gleichzeitig könnte Häfele dabei gezielt seine Beschläge einsetzen und so die Bekanntheit der Produkte in der Region steigern.

Der Bedarf an einem entsprechenden Qualifizierungsprogramm war hoch, denn „bei Indoor-Möbeln finden wir ganz andere Anforderungen an das Holz und auch an die Verarbeitung vor“, erklärt Fruth. Doch die Umsetzung einer solchen Bildungsinitiative kann ein Unternehmen nur schwer allein stemmen.

Hilfe fand Häfele bei der GIZ, die das Unternehmen im Rahmen einer develoPPP.de-Entwicklungspartnerschaft unterstützte. Als Bundesunternehmen mit langjähriger Erfahrung im Bildungsbereich war sie der perfekte Partner an Häfeles Seite. Gemeinsam erarbeiteten Häfele und GIZ einen Lehrplan zur Holzverarbeitung in der Indoor-Möbelproduktion und eröffneten zwei Trainingszentren in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi.

Um die Kurse optimal auf die Bedürfnisse der vietnamesischen Möbelhersteller auszurichten, kooperierten die Partner mit der in Ho-Chi-Minh-Stadt ansässigen Handicraft and Wood Industry Association (HAWA). Als örtliche Handwerksgesellschaft pflegt sie zahlreiche Kontakte zu Firmen im ganzen Land.

„Die HAWA hat die Kommunikation mit den einheimischen Unternehmen erleichtert und uns bei der Erstellung des Trainingsprogramms unterstützt. Außerdem half sie uns dabei, passende Trainer zu finden“, erzählt Dominic Stanculescu, GIZ-Mitarbeiter in Vietnam.

Auch die GIZ selbst diente mit ihrem umfassenden Netzwerk vor Ort als Vermittler zwischen Häfele und den lokalen Firmen. Zusätzlich stellte sie durch ein konstantes Monitoring sicher, dass alle Maßnahmen zielführend gestaltet wurden.

Das Qualifizierungsprogramm gliedert sich in drei Klassen: Basic, Advanced und Master. Besonders auf ein breitgefächertes Grundwissen wird Wert gelegt. „Bei den Trainingskursen lernen die Teilnehmenden grundlegende Fähigkeiten“, erklärt Nguyen Chanh Phuong, Generalsekretär der HAWA. „Manche davon sind nicht neu, aber die Inhalte werden ganzheitlich, systematisch und methodisch vermittelt. Vorher konnten sich die Möbelarbeiter ihr Wissen nur selbst und bedingt aneignen.“

Die Trainer schulen die Teilnehmer unter anderem in der Arbeit mit verschiedenen Materialien und modernen Maschinen sowie in der Anwendung von Designs. Das zeigt Wirkung, wie Stanculescu berichtet: „Vor den Trainings war die Arbeitssicherheit minimal, vorgeschriebene Abstände zu Maschinen wurden nicht eingehalten, das Werkzeug nicht korrekt eingelagert. Wenn man heute die Werkstätten sieht, fallen einem gleich die Änderungen auf: Da wurden Abstandslinien eingezeichnet und Schilder mit Sicherheitshinweisen aufgestellt.“

Bei erfolgreichem Abschluss bekommt jeder Trainingsteilnehmer eine Bescheinigung über die Teilnahme und die erworbenen Qualifikationen. So profitieren nicht nur die Firmen von den Schulungen, sondern auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die höhere Qualifizierung besser bezahlte Stellen ausfüllen können.

Ein besonderes Highlight des Projektes war die Einführung einer mobilen Trainingseinheit. Mit dem geräumigen Häfele-Bus können die betrieblichen Schulungen auch direkt vor Ort bei den Möbelherstellern durchgeführt werden.

Damit sind Fortbildungsmöglichkeiten auch für Unternehmen außerhalb der beiden Großstädte zugänglich. Dies entlastet insbesondere kleinere Firmen, die sich eine Anreise mit dem gesamten Team oft nicht leisten können.

Über 70 Trainingseinheiten mit über 3.000 Schulungstagen wurden bereits durchgeführt: die eine Hälfte in den beiden Trainingszentren, die andere Hälfte als betriebliche Schulung in den Unternehmen vor Ort.

Bui Vinh Long ist Geschäftsführer der Holzverarbeitungsfirma BG Interior Decoration und freut sich über die positiven Wirkungen: „Durch die Trainings haben die Mitarbeiter ihre Fähigkeiten deutlich verbessert und konnten so auch der Firma zu mehr Leistung verhelfen. Vorher gab es öfter mal kleinere Fehler in der Produktion, das hat sich sehr verbessert.“ Buis Fazit ist positiv: „Die Trainings sind eine wirklich gute Chance für ein kleines Unternehmen wie BG.“

Eine weitere wichtige Komponente der Entwicklungspartnerschaft war die Ansprache von örtlichen Design-Schulen und Universitäten, denen die Trainingsinhalte vermittelt wurden.

Insgesamt 10 Lehrer und Trainer von umliegenden Bildungseinrichtungen wurden mit dem neuen Wissen vertraut gemacht und können dieses nun an ihre eigenen Schüler weitergeben. Eine Fachhochschule und drei Universitäten haben bereits einzelne Module in ihr Curriculum übernommen.

Auch bei der Entwicklung von fünf Möbelprototypen sowie Produktlinien unterstützte Häfele die Möbelhersteller und stellte dafür seine Beschläge sowie moderne Ausrüstung bereit. Die lokalen Unternehmen lernen so, technische Fortschritte besser zu verstehen und erkennen, dass Häfele sie am Markt nach vorne bringen kann.

Gleichzeitig profitiert Häfele von der gestiegenen Bekanntheit und professionellen Verarbeitung seiner Produkte, die bei den Prototypen Einsatz finden. „Die Partnerschaft mit der GIZ war auf jeden Fall sinnvoll“, schließt Häfele-Chef Fruth. „Sie hat uns mit der Benennung messbarer Ziele und ihrem konstanten Monitoring sehr geholfen. Damit war das Vorhaben um einiges erfolgreicher, als wenn wir es als internes Projekt durchgeführt hätten.“

Während der Projektphase wurde das Basistraining kostenlos angeboten. Im Anschluss an das develoPPP.de-Projekt sollen nun schrittweise Gebühren eingeführt werden, um das Trainingsangebot langfristig in der Gegend zu verankern.

Denn Häfele ist vom gegenseitigen Nutzen der Kurse überzeugt: „Das Unternehmen schaut sich bereits nach externen Firmen um, die künftig Schulungen übernehmen können“, weiß Stanculescu, „für uns ein Indiz einer erfolgreichen Partnerschaft mit nachhaltiger Wirkung.“

Zahlen | Daten | Fakten

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Trainings
mit über 3.000 Schulungstagen wurden durchgeführt.
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%
der Schulungen
fanden in den Trainingszentren statt, 50% in den Unternehmen vor Ort.

Zertifizierung

Durch die modernisierte Produktentwicklung wurde die Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Holzindustrie erhöht.

Arbeitsplätze

Es wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Arbeitssicherheit wurde verbessert.

Ausbildung

In ausgewählten vietnamesischen Schulungszentren wurden neue Trainingsmodule der Holzverarbeitung etabliert.