Verantwortung in voller Blüte

Für Dr. Bea Andersen ist unternehmerische Verantwortung eine Lebensaufgabe. Seit 20 Jahren leitet sie das Familienunternehmen Mount Elgon Orchards Ltd. gemeinsam mit ihrem Mann Bob.

Der Blumenexporteur züchtet Rosen auf einer Farm im Westen Kenias für den weltweiten Export. Mit rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber der Chepchoina Region, nahe der Grenze zu Uganda. Viele der Angestellten leben in den Dörfern rund um die Rosenfarm.

Als Andersen 1995 nach Kenia zog, waren die Lebensbedingungen der Dorfbewohner schwierig: Viele Menschen lebten in einfachen Hütten ohne sanitäre Einrichtungen; die mangelnde Hygiene führten zu Infekten. Die lokale Gesundheitsversorgung war unzulänglich.

Um ihren Angestellten eine funktionierende Versorgungsstruktur zu bieten, musste das Unternehmen an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen. Inspiriert von den Millenniumsdörfern der Vereinten Nationen, standen Gesundheit, Bildung und Wohnen im Fokus ihres unternehmerischen Handelns.

Schnell war Andersen klar: Um dies zu erreichen, benötigte es neben Ausdauer und Herzblut auch geeignete Partner, die das Vorhaben fachlich und finanziell unterstützen.

Ein wichtiger Partner ist von Beginn an die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Als Entwicklungsfinanzierer begleitet sie das Unternehmen seit über zehn Jahren dabei, Wachstumsperspektiven zu schaffen und die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern. Dafür sind ist Mount Elgon Orchards mit der DEG eine Entwicklungspartnerschaft eingegangen, die durch das develoPPP.de-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird.

Zunächst konzentrierte sich die Ärztin Andersen auf die Gesundheitsversorgung ihrer Angestellten. Das nächste Krankenhaus lag 30 Kilometer entfernt – nur wenige konnten sich eine solche Reise leisten. Deshalb errichtete sie ein lokales Gesundheitszentrum. „Die Klinik ist für alle offen,“ erzählt Julius Sakong, leitender Klinikangestellter. „Bei uns bekommen die Patienten eine gute Behandlung und die richtigen Medikamente.“

Das Andersen Medical Centre hat sich in der Region und über die Grenzen hinaus etabliert. Rund 35 Angestellte behandeln knapp 40.000 Patienten jährlich. Neben ambulanter und stationärer Pflege gibt es unter anderem ein Labor, ein Behandlungsraum für kleinere Operationen, eine Geburtshilfestation, zahnärztliche und orthopädische Behandlungen sowie ein spezielles Programm für Häusliche Pflege und HIV/Aids.

Eine besondere Herausforderung stellten HIV/AIDS Erkrankungen dar. Mangelnde Aufklärung und ein eingeschränkter Zugang zu Medikamenten erschwerten die Behandlung des Virus. Deshalb richtete Andersen zusätzlich zur Klinik mit Unterstützung des develoPPP.de-Programms eine mobile Beratungsstation ein, die kostenlose Tests und Beratung in den umliegenden Dörfern anbietet.

Community-Helfer klären über den Virus auf. „Früher gab es viele Vorurteile,“ erzählt Klinikmitarbeiterin Hellen Wanyonyi. „Dank der Aufklärungsarbeit bringen Menschen unseren Klienten mehr Verständnis und Unterstützung entgegen.“ Die Klinik begleitet etwa 700 Klienten und bietet HIV-infizierten Frauen Prophylaxe während ihrer Schwangerschaft an.

Um die Gesundheitsprävention ihrer Angestellten zu fördern, initiierte Andersen das Projekt „Habitat for Humanity“. Über ein erschwingliches Darlehen können Familien ein Stück Land erwerben, um darauf ein kostengünstiges, qualitativ hochwertiges und dauerhaftes Haus zu bauen.

Das für die Bedürfnisse der Bewohner konzipierte Eigenheim verfügt über Zugang zu sauberem Wasser und einen Garten auf dem die Familien Gemüse für den Eigenbedarf anbauen können. „Wir sind sehr stolz auf unseren Lebensraum,“ erzählt Jessinda Mutimba, die gemeinsam mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in der Siedlung wohnt. „Es fühlt sich gut an, für meine Familie ein sicheres und sauberes Heim geschaffen zu haben.“

Jessindas Kinder gehen auch in die von Andersen errichtete Grund- und Sekundarschule nebenan. Die Kinder der ersten Jahrgänge kommen mittlerweile mit Universitätsabschluss zurück in ihre Heimatdörfer und bewerben sich für Jobs im Unternehmen.

Doch für viele Kinder und Jugendliche der Region ist der Schulbesuch noch immer nicht selbstverständlich. Gerade in den ländlichen Gebieten reichen die Schulnoten oftmals nicht aus, um die weiterführende Schule zu besuchen. Um eine Alternative zur Arbeitslosigkeit zu bieten, gründete Andersen das Andersen Vocational Training Center. Dort können Jugendliche eine praktisch orientierte Ausbildung erlangen.

Das Ausbildungszentrum bietet Ausbildungen zum Mechaniker, Elektriker, Maurer, Schlosser, Friseur und Schneider an – allesamt Berufe, die in der Umgebung sehr gefragt sind.

Das Andersen Vocational Training Center zieht auch Bewerber aus der Stadt und den Nachbarländern an: „Viele unserer Ausbildungsgänge sind einzigartig – wie zum Beispiel in Landwirtschaft und Blumenzucht,“ erzählt Andersen. „Mit den Kenntnissen, die unsere Auszubildenden hier lernen, können sie später als gut ausgebildete Fachkraft auf der Rosenfarm oder in anderen Unternehmen arbeiten.“

Gerade wird ein weiterer Ausbildungsgang geschaffen und ein Curriculum für Hotellerie entwickelt. Etwa 20 Auszubildende pro Jahr sollen im Hotelmanagement und Service ausgebildet werden. Um den Auszubildenden ein praxisnahes Training zu ermöglichen, baut Mount Elgon Orchards mit Unterstützung der DEG ein Hotel nahe der Blumenfarm.

Für die Bauarbeiten kann das Unternehmen auf die Auszubildenden des Andersen Vocational Training Centers zurückgreifen. „Das Hotel bietet Übernachtungsmöglichkeiten für circa 18 Gäste, einen kleinen Meetingbereich, eine Dachterrasse und Hotelküche mit eigenem Garten,“ erklärt der Bauleiter und Manager der Mount Elgon Stiftung Andy Deans. „Die offene Architektur bietet einen offenen Austausch und Kontakt der Auszubildenden mit den Gästen.“ Der Klassenraum schließt sich direkt an das Hotel an.

„Das develoPPP.de-Programm ist perfekt auf Unternehmen zugeschneidert, die finanzielle Unterstützung für entwicklungsrelevante Unternehmungen suchen,“ erklärt Andersen. „Die DEG versteht, dass wir im Sinne des Unternehmens handeln und wirtschaftlich gesund bleiben müssen. Wenn wir gut aufgestellt sind und wachsen, können wir ein sicherer Arbeitgeber sein.“

Den Erfolg des Unternehmens machen ihre zufriedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, die in den Gewächshäusern, im Qualitätsmanagement und dem Zuschnitt und Versand der Rosen arbeiten, die Verwaltung steuern und sich darüber hinaus in den vielen Community-Projekten engagieren.

„Mount Elgon Orchards liegt das Wohl der Angestellten am Herzen,“ erzählt Donata Nkonge, Leiterin der Sortier- und Verpackungshalle. „Es gibt viele Gemeinschaftsaktivitäten, die den Zusammenhalt unter den Angestellten stärken. Das ist gut für das Arbeitsklima: Unsere Mitarbeiter arbeiten gerne hier und sind dadurch besonders motiviert.“

Für Andersen ist es entscheidend, dass ihre Projekte, die Leistungen und geschaffene Infrastruktur für die Menschen langfristig fortbestehen. Bis 2020 wird die Mount Elgon Stiftung von Andersen, zu der weitere Förderer wie die niederländische Organisation Wild Geese gehören, die Projekte darauf vorbereiten, sie in lokales Management zu übergeben.

„Verantwortung ist dann effektiv, wenn sie nachhaltig und gewissenhaft auf breiten Schultern getragen wird.“ Deshalb will Andersen auch weiterhin die Projekte auf Vorstandsebene beraten. Den Grundsatz ihrer Firma „Qualität. Verantwortung. Spaß.“ wird das Unternehmerpaar auch in Zukunft leben und mit anderen teilen. Ein Wasserkraft-Projekt, dass die Stromversorgung sichern soll, steht bereits in den Startlöchern.

Zahlen | Daten | Fakten

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Tausend
Patienten werden jährlich behandelt.
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HIV-Patienten werden begleitet.

Ausbildung

Im Andersen Vocational Training Center erhalten Jugendliche eine praktisch orientierte Ausbildung.

Lebensqualität

Mount Elgon Orchards verbessert die Lebensqualität der Angestellten.