Apotheken der Zukunft in Südafrika

14.05.2018

Die neue ATM Pharmacy. ©Right ePharmacy

Medikation auf Knopfdruck

„In Südafrika leben mehr als 7 Millionen Menschen – 12 % der Bevölkerung – mit HIV“, erklärt Ian Sanne, Chef der Nichtregierungsorganisation Right to Care. „Allen steht die Versorgung mit antiviralen Medikamenten zu, doch wie kann diese gewährleistet werden?“

Eine mögliche Lösung: Apothekenautomaten, die die Medikamentenversorgung verbessern. Fanie Hendriksz, Geschäftsführer von Right ePharmacy, nennt die extra für Südafrika konzipierten Apothekenautomaten „ATM Pharmacy“. Hergestellt wurden sie von der Mach4 GmbH, einer deutschen Firma, die sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert hat. Um diese zu entwickeln und zu testen schlossen sich die Mach4 GmbH, der kommerzielle Arm von Right to Care in Südafrika, Right ePharmacy, und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in einer Strategischen Allianz im Rahmen des develoPPP.de-Programms zusammen. Right ePharmacy entwarf für den Betrieb der Automaten eine cloudbasierte Softwarelösung.

„Bis dato nehmen die Patienten lange Anfahrtswege und Wartezeiten, Transportkosten und Verdienstausfall in Kauf“, erklärt Daniela Rudner, Projektleiterin der GIZ vor Ort. „In den Kliniken gibt es kaum qualifiziertes Personal, so dass weniger als 30 % der Patienten gut beraten werden. Viele registrieren sich mehrfach und verkaufen doppelte Rationen an andere Kranke oder Drogendealer. In den Kliniken herrscht Medikamentenschwund.“

In vier Einkaufszentren der Provinz Guateng wurden seit 2017 die ersten 16 ‚Pharmacy Dispensing Units (PDUs)‘ aufgestellt. Um Rezepte hier einzulösen, registrieren sich Patienten, die an chronischen Krankheiten wie HIV, Diabetes oder Asthma leiden, bei ausgesuchten Kliniken. Mit einer Chipkarte können sie nun rund um die Uhr ihre Medikamente an den Automaten abholen. Dabei berät sie ein ausgebildeter Apotheker in einem Callcenter per Video. Ein elektronisches Register verhindert Mehrfachausgaben und verschickt Erinnerungen, wenn die nächste Abholung fällig ist.

Seit ihrer Installation haben die Automaten bereits 40.000 Mal Medikamente ausgegeben. Die Wartezeit von zuvor zwei bis vier Stunden verkürzt sich auf unter drei Minuten. Die Anzahl der Patienten, die nun qualifiziert beraten werden, wurde um 75 % gesteigert, der Medikamentenschwund liegt bei 0. Umfragen zeigen eine hohe Zufriedenheit der Nutzer. „Right ePharmacy hat eine Ausschreibung des südafrikanischen Department of Health gewonnen“, freut sich Rudner. „So werden nun unsere Apotheken der Zukunft in dessen Pläne aufgenommen und langfristig eine breite Wirkung entfalten.“

Die Strategische Allianz der Mach4 GmbH, Right to Care Health Services und der GIZ wird durch das develoPPP.de-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Mit develoPPP.de fördert das BMZ das Engagement der Privatwirtschaft dort, wo unternehmerische Chancen und entwicklungspolitischer Handlungsbedarf zusammentreffen.