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Dorfschneider Eliasi Aroni Teth und Mobisol-Mitarbeiterin Neema Ayuba präsentieren das neue Solarpanel auf Teths Dach. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

In Afrika wird die Sonne kaum zur Energiegewinnung genutzt. Das Berliner Start-up Mobisol will dies ändern: Es hat sich auf „Solar-Home-Systeme“ spezialisiert. Diese kleinen Solaranlagen erzeugen genug Strom, um mehrere Räume zu beleuchten, Handys aufzuladen und elektrische Geräte zu betreiben. Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH hat Mobisol mit develoPPP.de-Mitteln im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. „Wir wollen in den nächsten Jahren Millionen von Haushalten in Entwicklungsländern mit sauberem Strom versorgen“, sagt Mobisol-Gründer Thomas Gottschalk.

Einblick in das Innenleben der innovativen Solarmodule von Mobisol – bei technischen Problemen hilft der Kundenservice vor Ort. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Was die Energieversorgung angeht, sind viele Regionen Afrikas noch immer weiße Flecken auf der Landkarte. Allein in Tansania leben sieben Millionen Familien ohne Strom. Gerade ländliche Gebiete sind häufig gar nicht, oder nur wenige Stunden am Tag, ans Stromnetz angebunden. Einkommensschwache Haushalte setzen daher oft auf gesundheitsschädliche Energiequellen wie Petroleumlampen, Kerosin und Diesel-Generatoren. Die mobilen Anlagen von Mobisol ermöglichen auch den sozial Schwächsten den für langfristige Entwicklung unentbehrlichen Zugang zu Elektrizität – und das, ohne Umwelt oder Gesundheit zu belasten.

Die Solarmodule dienen auch zum Aufladen von Handys – und leisten damit einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung des wohl wichtigsten Kommunikationsmittels im ländlichen Afrika. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Der Clou am Geschäftsmodell des Berliner Energie-Start-ups: ein mikrofinanziertes Bezahlsystem. Mobisol setzt hierfür auf Ratenzahlung per Mobiltelefon, denn die meisten Geldtransfers in Tansania erfolgen per Handy. Die Solarmodule gibt es in den Ausführungen 80, 120 und 200 Watt – je nach Leistung kosten sie zwischen 320 und 1300 Euro. Im Schnitt zahlen die Kunden umgerechnet rund 20 Euro im Monat für eine Anlage, wobei sich die Raten an den bisherigen Energieausgaben der Haushalte orientieren. Nach drei Jahren können die Käufer die Anlagen ihr Eigen nennen.

Quadratisch, praktisch, gelb: Mobisols erschwingliche Solarmodule genießen hohe Nachfrage in Tansania. Reihe um Reihe werden sie in einem Logistikzentrum für den Versand vorbereitet. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Durch das Ratensystem und die flexiblen Preise wird das Problem der hohen Anfangsinvestition bei Solaranlagen umgangen, das bisher ein großes Hindernis für die Verbreitung der Technologie darstellte. Für Mobisol aber bedeutet die Mikrofinanzierung einen hohen Kapitalbedarf, denn das Unternehmen muss zunächst alle Kosten vorstrecken – ein finanzieller Kraftakt für ein Start-up. Mit Unterstützung der DEG wurde er gestemmt: Dank develoPPP.de-Mitteln konnte das Unternehmen 1.000 Anlagen vorfinanzieren und eine Pilotphase in Tansania und Kenia durchführen, die die Nachfrage nach den Geräten bestätigte.

Stephany Oromo, Kommunikationsmanagerin bei Mobisol in Tansania. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

„Elektrizität und Licht sind Dinge, die jeder braucht, unabhängig davon, wer er ist“, sagt Stephany Oromo. Sie arbeitet in Tansania als Kommunikationsmanagerin für Mobisol. „Entwicklungsländer stehen vor der Herausforderung, die Menschen mitzunehmen, die am Boden der Pyramide stehen“, sagt Oromo. „Und genau das tut Mobisol.“ Mit den Solar-Home-Systemen ist ein schneller und kosteneffizienter Ausbau der Stromversorgung in ländlichen Regionen möglich, ohne dabei auf einen teuren und langwierigen Netzausbau sowie einen damit verbundenen monopolistischen Betreiber angewiesen zu sein. Auch können durch den Einsatz von Elektrizität neue regionale Wirtschaftskreisläufe entstehen und damit zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Neema Ayuba, Verkäuferin für Mobisol, im Gespräch mit zwei Kollegen. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Neema Ayuba (Mitte) ist Verkäuferin für Mobisol. Sie wirbt Kunden für Mobisols Solar-Home-Systeme. Durch den Job kann die Witwe ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Kinder zur Schule schicken. „Mein Ziel ist es, weiter für Mobisol zu arbeiten, denn inzwischen habe ich so viel Erfahrung gesammelt, dass ich mehr Kunden anwerben und somit mehr verdienen kann“, sagt die Tansanierin.

Dank Solarenergie schaffte Saria N. Nnko den Schritt in die Selbstständigkeit: er eröffnete einen Salon, in dem er Haare schneidet und Handys auflädt. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Die Unwägbarkeiten der Energieversorgung Tansanias machen Unternehmern das Geschäft schwer. Saria N. Nnko wagte dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Er eröffnete einen Friseursalon im Dorf – und profitierte dabei auch vom develoPPP.de-Projekt: „Dank der Solarenergie kann ich jetzt ein Geschäft führen. Ich habe jetzt einen Salon, in dem ich Haare schneide und Handys auflade.“

Heißer Draht: Der Mobisol-Kundenservice dient mit telefonischer Beratung sowie technischer Unterstützung vor Ort. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Der Mobisol-Kundenservice vor Ort hilft bei technischen Problemen. Doch die Anlagen können dank eingebauter Sim-Karte auch per Mobilfunknetz direkt von der Zentrale in Berlin gewartet werden. So ist es möglich, in Echtzeit zu kontrollieren, ob eine Störung vorliegt und welcher Art sie ist. Wenn ein Mobisol-Team zur Behebung einer Störung fährt, hat es dank der Ferndiagnose die richtigen Ersatzteile im Gepäck.

„Bildung Made in Germany“ – die Mobisol-Akademie in Arusha, in der Berater und Techniker ausgebildet werden. © GIZ/Tristan Vostry
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„Bildung Made in Germany“ – so steht es an der Hauswand. Im Mai 2014 wurde die Mobisol-Akademie in Arusha gegründet. Hier erhalten einheimische Berater und Techniker eine Ausbildung. Eine ähnliche Akademie gibt es auch in Ruanda. Auf diese Weise sind in Ruanda und Tansania bereits 180 Arbeitsplätze entstanden.

Eliasi Aroni Teth arbeitet als Schneider in der Region Arusha und freut sich, dass er  seine elektrische Nähmaschine nun kostengünstig verwenden kann. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Eliasi Aroni Teth arbeitet als Schneider in der Region Arusha und freut sich über die Mobisol-Anlagen. „Früher habe ich Kerosin gebraucht. Seit ich das Solarsystem benutze, ist mein Leben günstiger geworden, denn es kostet mich insgesamt weniger Geld. Ich kann jetzt eine elektrische Nähmaschine benutzen – in meinem Alter ist das einfacher.“ Umfragen aus der Pilotphase zeigen, dass rund ein Drittel der Mobisol-Kunden dank des Stroms aus den Solar-Home-Systemen unternehmerisch tätig wurden.

Auch dieser örtliche Friseur investierte in Solarenergie und lädt damit nun seine Rasiergeräte. © GIZ/Tristan Vostry
Solarsysteme für jedes Dach

Der Zugang zu Energie verändert das Leben vor Ort. Auch dieser Friseur kann nun seine Rasierer mit Sonnenlicht aufladen. Kommunikationsmanagerin Oromo fasst die positiven Wirkungen des Projektes zusammen: „Am Ende des Tages hat man einem jungen Menschen die Voraussetzungen für sein Studium geschaffen, einer Mutter einen Stromanschluss für ihre Kinder bereitgestellt oder einer Familie ermöglicht, sich vor dem Fernseher zu versammeln und den Abend gemeinsam zu verbringen. Das erfüllt mich und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.“

Die Mobisol-Module sind in verschiedenen Watt-Stufen erhältlich. So ist für jeden etwas Passendes dabei – je nach Geldbeutel und Energiebedarf. © GIZ/Tristan Vostry
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Das Beispiel Mobisol zeigt: Auch ein kleines Unternehmen mit einer guten Idee kann mit Unterstützung von develoPPP.de eine Entwicklung anschieben: Inzwischen hat Mobisol über 45.000 Solaranlagen in Ostafrika installiert. „Wenn die Anlage des Nachbarn funktioniert, wenn nachts das Licht brennt und das Radio läuft und wenn die Menschen sehen, dass der Techniker tatsächlich kommt, wenn etwas nicht klappt – dann können wir die Menschen überzeugen“, sagt Gründer Thomas Gottschalk.

Projekt

In Afrika hapert die Energieversorgung: 20 Prozent der Bevölkerung Tansanias haben keinen Zugang zum Stromnetz. Die hohe Sonneneinstrahlung auf dem Kontinent bietet großes energetisches Potenzial, doch Investoren halten sich bislang zurück. Der große Kapitalbedarf schreckt viele ab, außerdem mangelt es an Fachwissen im Bereich Solarenergie. Einkommensschwache Haushalte decken daher ihren Energiebedarf oft mit gesundheits- und umweltschädlichen sowie teuren fossilen Energiequellen wie Kerosin. Mobisol bietet eine simple sowie kostengünstige Lösung: kleine Solaranlagen, die der Nutzer per Mikrofinanzierung bezahlen kann. Die DEG unterstütze Mobisol mit develoPPP.de-Mitteln und konnte so tausend Anlagen für den Markteintritt in Tansania sowie eine Pilotphase vorfinanzieren.

Installation eines Solarpanels auf einem Hüttendach in Tansania. © GIZ/Tristan Vostry

Unternehmen

Mobisol GmbH

Der lngenieur Thomas Gottschalk gründete das Unternehmen Mobisol 2010 als Start-up in Berlin. Inzwischen hat es bereits über 45.000 Solar-Kleinanlagen in Ostafrika installiert. Gottschalks Vision: „In den nächsten Jahren wollen wir Millionen von Haushalten in Entwicklungsländern mit sauberem Strom versorgen – und damit gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und für den weltweiten Umweltschutz leisten.“ Gottschalk wurde 2015 zum „Social Innovator of the Year“ gewählt.

Homepage: Mobisol


Partner

DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Im Rahmen von develoPPP.de ist die DEG die Partnerorganisation an Mobisols Seite. Die KfW-Tochter ist Spezialistin für aufwendige Finanzierungen in Entwicklungs- und Schwellenländern mit umfassendem Know-how in langfristigen Investitionsfinanzierungen. Die DEG finanziert und begleitet Unternehmen der verarbeitenden Industrie, der Agrarwirtschaft, aus dem Infrastruktur- und dem Finanzsektor.

 

Der öffentliche Partner DEG auf www.develoPPP.de

Das develoPPP.de-Programm im Internetauftritt der DEG

 

 


Land

In den letzten Jahren ist das Interesse ausländischer Investoren an Ostafrika stark gestiegen. Tansania hat knapp 50 Millionen Einwohner, von denen die meisten von der Landwirtschaft leben. Tansania ist wie die Nachbarländer politisch stabil. Die DEG ist seit ihrer Gründung in Ostafrika tätig und betreut mit einem eigenen Büro von Nairobi aus Tansania.

Homepage des BMZ: Informationen zu Tansania