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In Reih’ und Glied: Näherinnen der Firma Bodyland wurden im develoPPP.de-Projekt vom Mutterkonzern ESGE umfassend qualifiziert. © GIZ/Tristan Vostry
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Der schwäbische Wäschehersteller ESGE will die Textilproduktion in Indien nachhaltiger und effizienter gestalten und gleichzeitig seine hohe Warenqualität sichern. Das develoPPP.de-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) leistet die notwendige Unterstützung: Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit der sequa gGmbH richtete ESGE in den Räumlichkeiten seiner indischen Tochterfirma eine Lehrwerkstatt ein. Die Kooperation mit einem lokalen Textilcollege sorgt dabei für die richtige Balance zwischen Theorie und Praxis und bringt so den dualen Ansatz nach Südindien – ganz nach deutschem Vorbild. In einem zweiten Projekt entwickelten die Partner ein Qualifizierungsprogramm für Logistik und Materialwirtschaft, das insbesondere die Zusammenarbeit mit Zulieferbetrieben erleichtern soll.

Christian Maag, Geschäftsführer  der Firma ESGE Textilwerk Maag GmbH & Co. KG. © GIZ/Tristan Vostry
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Gut ausgebildete Fachkräfte im Textilbereich sind in Indien schwer zu finden. Ausbildungsgänge sind veraltet und praxisfern. ESGE startete daher ein Ausbildungs- und Trainingsprogramm am Standort Tirupur. „Normalerweise muss eine Näherin in Indien schon nach einer Woche Einarbeitung im normalen Betrieb mitarbeiten können“, erklärt ESGE-Chef Christian Maag. „Bei uns ist das anders: Wir versuchen eine Art Mini-Lehre durchzuführen, um flexible, bessere Arbeitskräfte zu erhalten. Das kostet trotz der Unterstützung durch die sequa erst einmal Geld, bringt unserer Firma aber langfristig einen Vorteil: Gerade in einem Bereich, in dem um gute Arbeitskräfte konkurriert wird, muss man sich Mühe geben um sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Es ist also letztlich um einiges günstiger, die Leute fair zu behandeln und gut zu qualifizieren.“

Ingrid Wagner, während der Entwicklungspartnerschaft Qualitätsmanagerin für ESGE, gibt Ratschläge zum sachgerechten Umgang mit Nähmaschinen. © GIZ/Tristan Vostry
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Beim Tochterunternehmen „Bodyland“ wurden praxisnahe Mitarbeiter-Trainings eingeführt, etwa zum Umgang mit diversen Nähmaschinentypen oder neuen Stoffen. Daneben gibt es Schulungen zu Arbeitssicherheit, Qualitätskontrolle und Maschinenkunde. Für die Trainings wurden als eine Art betriebliche Lehrwerkstatt 20 neue Arbeitsplätze eingerichtet. „Es ist wichtig, dass wir unser Wissen effizient und strukturiert weitergeben“, sagt Qualitätsmanagerin Ingrid Wagner. „Je kompetenter und teamorientierter die Leute sind, desto weniger müssen wir vor Ort sein.“

Bei ihrer Arbeit mit großen Schneidemaschinen achtet Jayakodi Kumaravel darauf, dass die Schutzkleidung perfekt sitzt. © GIZ/Tristan Vostry
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Um den Umgang mit speziellen Schneidegeräten zu erlernen, werden Mitarbeiterinnen wie Jayakodi Kumaravel mehrere Monate lang geschult. Das Tragen von Schutzkleidung wie etwa Kettenhandschuhen ist dabei mindestens genauso wichtig wie die technische Bedienung der Maschinen. „Ich war zehn Jahre lang bei einer anderen Textilfirma hier in Tirupur“, erzählt Kumaravel, „dort wurde nur mit Scheren gearbeitet. Hier bei Bodyland wurde ich drei Monate lang an den Schneidemaschinen trainiert. Dabei wurde uns auch gezeigt, wie wir die Schutzkleidung richtig anlegen und einsetzen.“

Loganathan Tamilarasi stieg im Rahmen des Projektes zur Trainerin auf und weist nun neue Mitarbeiterinnen in die Arbeit mit den Maschinen ein. © GIZ/Tristan Vostry
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Loganathan Tamilarasi ist eine der Trainerinnen bei Bodyland. Eine gute Ausbildung war lange eine Seltenheit in der indischen Textilindustrie – Tamilarasi spricht aus Erfahrung: „In meiner ersten Firma gab es keine Trainer. Ich musste mir den Umgang mit den Maschinen selbst beibringen und es dauerte eineinhalb Jahre, bis ich eigenständig nähen konnte. Hier bei Bodyland ist das anders.“ Inzwischen arbeitet sie selbst neue Mitarbeiterinnen ein. Christian Maag ist froh, dass er Frauen wie Tamilarasi eine Perspektive geben kann: „Ich freue mich sehr über die weiblichen Beschäftigten, die es bei Bodyland zu Abteilungsleiterinnen gebracht haben“, sagt er. „Diese Frauen haben sich nicht vorstellen können, so etwas zu erreichen. Und darauf sind sie – und wir – zu Recht sehr stolz.“

Büffeln für den Abschluss: Studenten am Textilcollege NIFT-TEA Knitwear Fashion Institute streben Abschlüsse in Garn-, Stoff-, und Modeproduktion an. © GIZ/Tristan Vostry
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Ein Kooperationspartner in der Ausbildung ist das NIFT-TEA Knitwear Fashion Institute, das 1997 von der Tirupur Exporters‘ Association gegründet wurde und über 500 Ausbildungsplätze verfügt. Es ist auf dem Weg, das Kompetenzzentrum der indischen Textilindustrie zu werden – nicht zuletzt dank des deutschen Engagements. Im Rahmen des develoPPP.de-Projektes hielten ESGE-Fachkräfte Vorlesungen am Institut und berieten auch das Lehrpersonal zu fachspezifischen Fragen. Darüber hinaus lud das Unternehmen Studierende zu Praktika in seine indische Produktionsstätte ein. Mit Erfolg: „Von den ehemaligen Praktikanten ist mittlerweile der Großteil bei uns angestellt“, sagt Maag. „Eine klassische Win-Win Situation.“

Agnes Nivetha Nandhini B. absolvierte Grundstudium und Master am Textilcollege und fand im Anschluss gleich eine Stelle bei einer lokalen Textilfirma. © GIZ/Tristan Vostry
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Durch die Kooperation mit dem College wird der Pool an gut ausgebildeten Fachkräften für den Textilstandort qualitativ und quantitativ erweitert. Neben den ansässigen Unternehmen profitieren aber auch die Studenten selbst: „Der Master hat mir die Chance gegeben, mich gut zu entwickeln, weil er mich viel über die Textilindustrie gelehrt hat“, sagt Agnes Nivetha Nandhini B. über ihr Studium am Institut. „Mir wurde nicht nur der praktische Umgang mit Maschinen und Stoffen beigebracht, sondern auch das Verständnis des geschäftlichen Rahmens. Auch bei der Jobsuche unterstütze mich das College – das ist wirklich ein Privileg“. Gleich nach dem Abschluss fand die Studentin eine Stelle bei einer lokalen Textilfirma.

K.J. Sivagnanam, stellvertretender Leiter und Professor am NIFT-TEA Knitwear Fashion Institute. © GIZ/Tristan Vostry
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Die besondere Verbindung von Theorie und Praxis macht das Textilcollege einzigartig in der Region. K.J. Sivagnanam ist stellvertretender Leiter und Professor am NIFT-TEA Knitwear Fashion Institute und vom dualen System überzeugt: „Unsere Kurse kann man nicht mit denen anderer Colleges vergleichen. Wir haben sie nach den Bedürfnissen sowohl unserer Schüler als auch der Industrie konzipiert.“ Die erfolgreiche Partnerschaft mit dem College wurde auch während des zweiten develoPPP.de-Projektes fortgesetzt. Diesmal lag der Fokus auf einem Qualifizierungsprogramm mit Schwerpunkt Logistik und Materialwirtschaft.

Eine Bodyland-Mitarbeiterin überprüft  Daten zu Liefermenge und -qualität mithilfe eines mit Spezialsoftware ausgestatteten Gerätes. © GIZ/Tristan Vostry
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Im schnell getakteten Textilmarkt sind Unternehmen auf exakte und zeitnahe Informationen zum Produktionsprozess angewiesen – auch und gerade seitens der Zulieferer, die die Textilproduzenten mit Stoffen, Knöpfen und dergleichen beliefern. ESGE stattete deshalb fünf Zuliefererbetriebe mit einer eigens entwickelten Informationssoftware aus. Sie findet unter anderem Einsatz auf Spezialgeräten, die dazu dienen, Daten über Liefermenge, -zeitpunkt und -qualität zu erfassen sowie weiter-zugeben. Den Umgang mit der Software lernen die Schüler am College.

Für einen reibungslosen Betrieb bei Bodyland in Tirupur sorgt Managing Director A. Ponraj. © GIZ/Tristan Vostry
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„Der größte Vorteil der Einführung des Systems bei unseren Zulieferern ist, dass wir planen können, wie lange sie für die Produktion des Materials brauchen“, sagt A. Ponraj. Er ist Managing Director von Bodyland und steht in engem Kontakt zu Christian Maag und dem restlichen ESGE-Team in Deutschland. Für ihn arbeiten rund 400 Mitarbeiter, darunter 275 Frauen. Auch ESGE-Qualitätsmanagerin Wagner freut sich: „Durch die neue Software sind die Informationen direkt vom Laptop abrufbar und somit auch aus Deutschland tagesaktuell überprüfbar. Die Qualität hat sich dadurch deutlich gesteigert."

Im betriebseigenen Kindergarten wissen Bodyland-Mitarbeiterinnen ihre Sprösslinge in guten Händen. © GIZ/Tristan Vostry
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Neben einer effizienten Ausbildung setzt Wäschehersteller ESGE auf faire Arbeitsbedingungen. Sivaji Ambika, Mutter von zwei Kindern und seit über vier Jahren bei Bodyland angestellt, erzählt: „Im Vergleich zu meinem alten Arbeitgeber sind die Arbeitszeiten bei Bodyland besser; um 19 Uhr machen wir Schluss. Der Doktor kommt regelmäßig zur Untersuchung vorbei, es gibt weitere medizinische Services und ein Firmenfest einmal im Jahr. Es gibt sogar einen betriebseigenen Kindergarten! Bei meinem alten Arbeitgeber gab es nichts dergleichen.“

Mode in the making: In der ESGE- Firmenzentrale in Albstadt werden Designs für Unterwäsche entworfen. © GIZ/Tristan Vostry
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Die Projekte in Tirupur haben sich gelohnt. Allein durch Schulungen, optimierte Abläufe und Umstrukturierung konnten einige der beteiligten Zulieferfirmen ihre Produktion von täglich 800 Stück auf 3500 steigern – ganz ohne Neuanschaffung von Maschinen. Und auch die Warenqualität bei ESGE-Tochter Bodyland hat sich deutlich gebessert. Manager Ponraj fasst zusammen: „Alles verläuft systematischer und genauer, alle unsere Daten werden nun fast „live“ empfangen und weitergegeben – damit ist die Kommunikation mit Zulieferern und Mutterkonzern deutlich effizienter geworden.“ In der Firmenzentrale in Albstadt ist gute Stimmung – denn ESGE produziert in Indien nun fast nur noch „erste Wahl“.

ESGE-Chef Christian Maag im Gespräch mit einer Bodyland-Mitarbeiterin in Tirupur. © GIZ/Tristan Vostry
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Beide Entwicklungspartnerschaften haben nachhaltige Strukturen geschaffen. Unternehmer Christian Maag ist positiv gestimmt: „Ich denke, dass sich auch nach Abschluss dieses Projektes für uns gar nichts ändern wird. Die Kommunikation zwischen den Projektpartnern geht weiter. Wir haben gerade wieder eine Mitarbeiterin aus Deutschland nach Tirupur entsandt, die dort zwei Wochen lang Fortbildungen abgehalten hat.“ Über develoPPP.de sagt er: „Ich kann das Programm mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Ich habe befreundeten Unternehmern zu einer Entwicklungspartnerschaft geraten und auch schon Kontakte vermittelt.“

Projekt

Schwäbisches Know-how für die indische Textilindustrie: Zusammen mit dem lokalen Textilcollege NIFT-TEA initiierte der mittelständische Wäscheproduzent ESGE zwischen 2008 und 2013 zwei Ausbildungsprogramme für Arbeiterinnen und Arbeiter am Standort in Indien. Neben Materialkunde und Maschinentrainings stand dabei auch eine verbesserte Logistik- und Materialwirtschaft im Fokus. Dafür wurde eigens eine Software entwickelt, mit der auch Zulieferbetriebe ausgestattet wurden. Unterstützt wurde die Entwicklungspartnerschaft von der sequa gGmbH, einem der drei öffentlichen Partner des develoPPP.de-Programms. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der indischen Tochterfirma „Bodyland“ profitieren vom Qualifizierungsprogramm der Entwicklungspartnerschaft etwa durch mehr Arbeitssicherheit und berufliche Entwicklungschancen. Das Unternehmen selbst kann gesteigerte Effizienz sowie Qualität nachweisen – wichtig auch für Mittelständler ESGE in Albstadt, der auf hochwertige Ware aus Indien angewiesen ist.

Neben Theorieunterricht zur Textilbranche und Designgrundsätzen werden Studierende am NIFT-TEA Textilcollege auch in der praktischen Modegestaltung gefördert. © GIZ/Tristan Vostry

Unternehmen

ESGE Textilwerk Maag GmbH & Co. KG

Das deutsche Unternehmen ESGE wurde 1982 gegründet und ist Spezialist für Unterwäsche. Seit nunmehr drei Generationen produziert das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Albstadt. Mit einer Kapazität von 50.000 Wäscheteilen pro Tag zählt ESGE zu den größten Wäscheherstellern im europäischen Raum.

Homepage: ESGE


Partner

sequa gGmbH

Im Rahmen von develoPPP.de ist die sequa die Partnerorganisation an der Seite von ESGE. Das gemeinnützige Unternehmen ist Spezialist in Fragen der beruflichen Bildung und Qualifikation. sequa agiert als Bindeglied zwischen Privatwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit.

Der öffentliche Partner sequa auf www.develoPPP.de

Das develoPPP.de-Programm im Internetauftritt der sequa

 

 


NIFT-TEA College of Knitwear Fashion

Das NIFT-TEA Knitwear Fashion Institute wurde 1997 von der Tirupur Exporters’ Association gegründet. Das College bietet seinen Schülern verschiedene Abschlüsse in den Bereichen Garn-, Stoff-, und Modeproduktion an. Im Jahr 2008 startete das erste Projekt gemeinsam mit sequa in Indien.

Homepage: NIFT-TEA


Land

Indien ist eine der größten Volkswirtschaften Asiens. Trotz leicht rückläufiger Wachstumszahlen bietet es interessante Investitions- und Handelsbedingungen. Die Textilproduktion im Land wird vor allem von Markenherstellern geschätzt. Deutschland gehört zu den wichtigsten Investitionspartnern Indiens. Über 1.500 deutsche Firmen sind mit Tochterunternehmen vertreten oder an indischen Firmen beteiligt.

Homepage des BMZ: Informationen zu Indien